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Verbindungen zwischen Schottland und Deutschland

Verfasst von: Sabine
Veröffentlicht: 4th November 2019

Verbindungen zwischen Schottland und Deutschland

In Bezug auf den Handel sowie auf die kulturelle Verwandtschaft sind Schottland und Deutschland eng miteinander verbunden. Interessante Verknüpfungen der Sprache finden sich in der Ähnlichkeit zwischen dem deutschen Wort ‘kennen’ und dem schottischen Wort ‘ken’ wieder. Schottisch ist eine moderne Variante des Altenglischen, einer germanischen Sprache. Die modernen Schotten sind in gewisser Weise ihrer alten deutschen Herkunft näher geblieben als das gesprochene Englisch heutzutage in England. Aber die alten sprachlichen Verbindungen sind nur die Spitze des Eisbergs, oder sollte es auf der Zungenspitze liegen, wenn es um die Verbindungen zwischen den beiden Ländern geht.

Der historische Hintergrund der Verbindungen zwischen Schottland und Deutschland

Abgesehen von den sprachlichen Verknüpfungen ist die Geschichte zwischen Schottland und Deutschland auch im Handel verwurzelt. Lange bevor Deutschland als Nation existierte, wollten schottische Händler im Mittelalter Geschäfte mit der Hanse machen, die von den Häfen im Ostseeraum aus operierte, einschließlich der Häfen an der Nordküste Deutschlands.

Der Handel mit den deutschen Häfen der Hanse war in Schottland so wichtig, dass William Wallace nach seinem Sieg an der Stirling Bridge im Jahr 1297 den Regierungen von Lübeck und Hamburg schrieb, um ihnen für ihre Unterstützung zu danken. Er versicherte ihnen, dass jetzt, wo die englische Armee geschlagen war, deutsche Kaufleute sich sicher fühlen würden, wieder in Schottland zu handeln. Robert the Bruce schrieb auch 1321 an Lübeck, um den Handel zwischen Schottland und den Städten in ‘Alemannia’ zu stärken.

Während des 15. Jahrhunderts wurde der Handel mit schottischen Kaufleuten in Deutschland von den Heimischen nicht immer gern gesehen. Gesetze zur Beschränkung des schottischen (und englischen) Handels wurden eingeführt, und schottische Siedler wurden in Deutschland manchmal als unerwünschte Minderheit angesehen. Einige zogen weiter nach Polen, aber viele andere sind geblieben. Allerdings wanderten in dem und des folgenden Jahrhunderts, die aus Leith, Dundee und insbesondere Aberdeen stammenden Schotten weiterhin nach Deutschland aus. Nicht alle waren wohlhabende Kaufleute, und der Herzog von Preußen beklagte sich 1558 über Hausierer und Vagabunden aus Schottland, die seinen Untertanen mit ihrem Handel auf Reisen den Untergang brachten!

Viele weitere Schotten zogen im 17. Jahrhundert nach Deutschland, um im Dreißigjährigen Krieg zu kämpfen. Tausende Soldaten aus Schottland kämpften auf allen Seiten und für alle Nationen in diesem Konflikt. Etliche ließen sich in der Region nieder, viele schottische Akademiker kamen nach Deutschland, und es wurden starke pädagogische Verbindungen geknüpft. Aufgrund der religiösen Spaltung in Deutschland suchten sowohl die Calvinisten als auch die Katholiken Zuflucht vor der religiösen Verfolgung im Land. Regensburg war besonders beliebt als Lernort für die Söhne schottisch-katholischer Familien.

 

Berühmte Persönlichkeiten, die Schottland und Deutschland verbinden

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Ninian Winzet

Ninian Winzet wurde 1518 in Renfrew geboren und studierte vermutlich an der Universität von Glasgow. Er wurde 1577 Abt der Abtei Regensburg und blieb dort bis zu seinem Tod im Jahr 1592. Die Abtei, in der er diente, wurde im 12. Jahrhundert von Missionaren erbaut, die sowohl aus Schottland als auch aus Irland kamen. Sie rühmt sich mit dem Schottenportal, und war eines der neun errichteten schottischen Kloster in Deutschland. Bis Ende des 16. Jahrhunderts hatten schottische Benediktinermönche die restlichen drei Abteien in Regensburg, Würzburg und Erfurt übernommen. Ninian Winzet gründete nach der schottischen Reformation von 1590 die Abtei wieder, um schottische Priester auszubilden, die ihr Heimatland umstellen sollte.

Grabstein für Ninian Winzet in der Schottenkirche RegensburgQuelle: Von GFreihalter – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31734487

 

Alexander Baillie

Er regierte als Abt eine Generation nach Ninian Winzets. Alexander Baillie hielt die Klostergemeinschaft während des Dreißigjährigen Krieges zusammen, während der Besetzung von schwedischen Truppen. Baillie wurde in Lanarkshire geboren, besuchte die schottische Schule und anschließend die Universität in Helmstedt in Deutschland. Während Winzet für die Wiederherstellung der Abtei verantwortlich ist, gilt Baillie als ihr Retter.

Thomas Fleming 

Thomas Fleming(1642–1720) war ebenfalls Abt (unter dem Namen Placid) der Abtei Regensburg. Er war ein Nachkomme der Earls of Wigtown, geboren in Kirkoswald Ayrshire und in Edinburgh ausgebildet. Er diente als Abt der Abtei und lehnte eine Einladung von König James VII und II ab, Schottlands erster katholischer Bischof seit der Reformation zu werden. Im 17. Jahrhundert kamen wenige Mönche von hier zu katholischen Familien im Nordosten und Südwesten Schottlands.

Die Gelehrten des Bistums Regensburg

Die Abtei hat viele schottische Priester ausgebildet und geschult. Bemerkenswerte Beispiele sind Thomas und Donald Brockie, die sich auf den Weg zu Missionen in Cabrach, Moray und Strathavon machten (Donald hat das Monasticon Scoticum geschrieben). George Andrew Gordon war ein angesehener Physiker, und James Gallus Robertson schrieb das erste katholische Neue Testament, das in Schottland in englischer Sprache veröffentlicht wurde. Thomas Ildephonse Kennedy war maßgeblich daran beteiligt, die britische Industrietechnik nach Deutschland zu bringen, und Johann von Lamont aus Braemar studierte in Regensburg, bevor er ein bekannter Astronom wurde. Im Jahr 1853 wurde Lamont zum Professor für Astronomie an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. Obwohl der Bischof von Edinburgh, James Gillis, gegen die Bewegungen protestierte, um schottische Verbindung zu beenden, wurde die Abtei 1862 geschlossen.

 

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James MacPherson

James MacPherson war der erste international bekannte schottische Dichter. Sein 1762 geschriebenes Werk ‘Fingal’ wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter auch in Deutsch. Es wurde mehr als jedes andere Werk der romantischen Bewegung in Europa zugeschrieben und hatte großen Einfluss auf Schlüsselfiguren der deutschen Literatur, darunter Johann Gottfried von Herder und Johann Wolfgang von Goethe.

James McPherson by George Romney (died 1802) Quelle: National Portrait Gallery and Wikipedia

 

 

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Felix Mendelssohn

Felix Mendelssohn war eine weitere wichtige Figur in der europäischen Romantik. Er war einer der wichtigsten Komponisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schottland inspirierte ihn bei zwei seiner bekanntesten deutschen Musikstücke, die Ouvertüre ‘Die Hebriden’ (die Fingalshöhle) und die ‘3. Sinfonie’ (Schottische Sinfonie), obwohl er die Bezeichnung ‘Schottische Sinfonie’ selber nie autorisiert hat.

Ölporträt Felix Mendelssohn Bartholdys, gemalt 1846 von Eduard Magnus (1799—1872)
Quelle: Berlin State Library/Wikipedia

 

 

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Thomas Carlyle

Der 1795 in Ecclefechan geborene Thomas Carlyle war in der Romantik eine Schlüsselfigur im kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Schottland. Ihm wird größtenteils zugeschrieben, die Werke deutscher Romantiker wie Schiller und Goethe einem britischen Publikum zugänglich gemacht zu haben. Bei Übersetzungen gewisser Werke hatte er schon seit 1823 gearbeitet und unter anderem ein Essay über Goethes Faust veröffentlicht.

Thomas Carlyle – Skulptur in der Nationalbibliothek Edinburgh (Foto: Ingeburg Peters).

 

 

 

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Sir Alexander Mackenzie

Alexander Mackenzie war ein schottischer Komponist und wurde 1847 in Edinburgh geboren. Er stammt aus einer sehr musischen Familie, die Ihn für seine musikalische Ausbildung nach Deutschland schickte. Zwischen 1857 und 1861 war er in einem Konservatorium in Sondershausen eingeschrieben und kehrte 1865 nach Edinburgh zurück. Seine Musik war bekannt dafür, schottische Motive mit deutscher Romantik zu verbinden.  Im Februar 1895 wurde er als Knight Bachelor in den Adelsstand erhoben.

Sir Alexander Mackenzie, 1898 Quelle: Wickipedia

 

 

 

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http://www.scottishdiasporatapestry.org/de04-a-german-love-story

Isabella & Helmut Joswig

Liebesgeschichten zwischen schottischen und deutschen Personen waren auch in Zeiten des Krieges nicht unbekannt. Eine bezaubernde schottisch-deutsche Liebesgeschichte, die von der schottischen Isabella aus East Lothian und dem deutschen Kriegsgefangenen Helmut Joswig handelt. Isabella und Helmut verliebten sich ineinander und heirateten nach seiner Entlassung 1948 in Edinburgh. Sie lebten in Newtongrange und in Prestonpans, und als sie dann nach Deutschland kamen, stießen sie auf große Vorurteile. Niemand wollte ein Haus an einen ehemaligen Feind vermieten. Schließlich gelang es ihnen jedoch, ein eigenes Haus zu bauen, wo Isabella heute noch dort lebt. Sie hat fünf Kinder, sieben Enkel und sechs Urenkel. Sie mögen nicht berühmt oder bekannt gewesen sein, aber ihre Geschichte veranschaulicht gewöhnliche Verbindungen zwischen den beiden Nationen.

 

 

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König Georg V

Erwähnenswert ist auch, dass die derzeitige Monarchin, Königin Elisabeth II., ursprünglich väterlicherseits deutscher Abstammung ist. Das Haus Windsor ist ein Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, die sich wiederum vom Haus Wettin ableiten, und der britischen Monarchie nach dem Tod von Königin Victoria folgten. Wegen dem innenpolitischen Druck im ersten Weltkrieg übernahm König Georg V. (erster Cousin Kaiser Wilhelms) am 17.Juli 1917 für die königliche Familie den Namen Windsor.

Georg V. (1923) Quelle: Wikipedia / Library of Congress Prints and Photographs Division Washington

 

Aktueller Handel zwischen Schottland und Deutschland

Deutschland ist Schottlands drittgrößter Überseemarkt. Schottland exportierte im Jahr 2017 einen Wert von 2,3 Mrd. GBP nach Deutschland, dass sind 7,2% der gesamten internationalen Exporte. Die Exporte nach Deutschland nehmen jedes Jahr zu, und sie stiegen zwischen 2013 und 2017 um durchschnittlich 7,4% pro Jahr. In der Ungewissheit um den Brexit, bemühen sich schottische Unternehmen zunehmend darum, die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken. Mit der stärksten europäischen Wirtschaft ist Deutschland ein guter Markt für schottische Unternehmen.

Scottish Development International hat ein Büro in Düsseldorf mit Mitarbeitern, die sich auf Energie, Wissenschaft und Technologie sowie auf die Herstellung von Konsumgütern konzentrieren. GlobalScot hat 13 Experten in Deutschland. Im Jahr 2018 eröffnete die schottische Regierung außerdem einen Innovations- und Investitionsstandort in Berlin, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen zu stärken.

Deutschland ist nicht nur ein wichtiger Exportmarkt, sondern auch ein wichtiger Investor in Schottland – des Landes drittgrößten Quelle an ausländischen Direktinvestitionen. Es sind nicht weniger als 155 deutsche Unternehmen die fast 18.000 Schotten beschäftigen. In Schottland leben rund 30.000 deutsche Staatsbürger, und mehr als 350.000 deutsche Touristen kommen jedes Jahr nach Schottland. Die Bedeutung die Anerkennung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen wurde mit einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) zwischen der Handelskammer Glasgow und der Handelskammer Berlin unterzeichnet.

Während Deutschland der drittgrößte Exportmarkt für Schottland ist, ist es für Großbritannien der größte Exportmarkt in Europa. In der Vergangenheit stand Deutschland für schottische Unternehmen nicht so stark im Fokus. Der Brexit hat das geändert. Immer mehr Unternehmen wollen mit Deutschland Geschäftsverbindungen eingehen, um die Unsicherheit über den Brexit zu nutzen. Es besteht ein allgemeines Bewusstsein dafür, dass Schottland für einen Verbleib in der EU gestimmt hat, was dazu führen kann, dass schottische Unternehmen positiver betrachtet werden als ihre englischen Konkurrenten.

https://tradingnation.mygov.scot/country-profiles/germany/

 

Bildungs- und Kulturbeziehungen zwischen Schottland und Deutschland

Schottland und Deutschland haben nicht nur enge Handelsbeziehungen, sondern auch enge bildungspolitische Verbindungen. Deutschland ist Schottlands größter Partner für akademische Forschung in Europa, und es gibt viele wichtige Verbindungen zwischen führenden Universitäten in beiden Ländern.

Deutschland ist derzeit Schottlands größter Forschungs- und Innovationspartner im Rahmen des EU-Programms Horizont 2020. Horizont 2020 ist das Finanzinstrument zur Umsetzung der Innovationsunion, eine Leitinitiative der EU- 2020 Strategie zur Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Im Mai 2019 nahmen schottische Universitäten und wichtige Partner zusammen mit dem schottischen Minister für Hochschulbildung und Wissenschaft an der “Going Global” -Konferenz des British Council in Berlin teil. Während dieser Veranstaltung wurden die Möglichkeiten zur Stärkung der Forschung und Innovation zwischen den beiden Ländern (unabhängig davon, was mit dem Brexit passiert) erörtert.

Bei einem Besuch in Berlin im September 2019 sagte Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon: “Schottland ist eine nach außen gerichtete europäische Nation mit einer starken Beziehung zu Deutschland und wir engagieren uns für die Weiterentwicklung kultureller, wirtschaftlicher und politischer Beziehungen. Schottland ist offen und es ist wichtig, dass die Botschaft in der gesamten Europäischen Union gehört wird.”

Der Politiker der Scottish National Party (SNP) Angus Robertson ist ein weiterer schottischer Politiker, der für die deutsch-schottischen Beziehungen von entscheidender Bedeutung ist. Seine Mutter wurde in Deutschland geboren und obwohl er in Edinburgh aufgewachsen ist, spricht er fließend Deutsch.

In der Politik, im Bildungswesen und in der Wirtschaft besteht ein starker Wunsch, die verschiedenen Verbindungen zwischen den beiden Ländern aufrechtzuerhalten und zu stärken.

Auch zwischen Schottland und Deutschland gibt es viele kulturelle Affinitäten. Zum Beispiel gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten in der Art und Weise, wie Weihnachten in beiden Ländern gefeiert wird. Die meisten der modernen Weihnachtstraditionen in Schottland, und anderswo in Großbritannien, wurden von Prinz Albert popularisiert, Gemahl von Königin Victoria, und folgen den traditionellen deutschen Weihnachtsbräuchen. Einige Menschen in Schottland, wie auch die königliche Familie, öffnen an Heiligabend die Weihnachtsgeschenke nach deutscher Tradition. Obwohl es heutzutage üblicher ist, dass die Schotten an Heiligabend ein kleines Geschenk öffnen, und den Rest am nächsten Morgen.

Historisch gesehen, und in der heutigen Zeit sind die Verbindungen zwischen Schottland und Deutschland in vielerlei Hinsicht stark. Trotz der beiden Weltkriege, die eine gewisse Kluft zwischen Deutschland und den alliierten Nationen verursachten, haben die kulturellen Affinitäten und sonstigen Verbindungen zwischen den Nationen Bestand und werden sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

 


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Verfasst von: Sabine


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